Das Ländle
 Das Ländle

Die folgenden Bilder und Texte sollen ein Loblied auf die Wengert im Ländle sein. Speziell was die Steillagen am Neckar angeht, und auch alte Weinberge und Reben.

Mag sein, daß das Ganze am Ende den Eindruck eines Hochgesanges auf den Württemberger Wein, die Weinberge und vor allem auf alles was mit “Tradition” oder “konservativ” zu tun hat klingen mag.

Diese Ansicht vertrete ich eigentlich gar nicht. Was heißt “eigentlich” ?? Nein, ich vertrete die Ansicht nicht, daß alles was alt ist auch gut ist. Aber beim Thema Wein und Ländle, da komme ich einfach ins schwärmen. Man verzeihe mir das bitte. Aber jeder, der schon mal hier war, und den Württemberger Wein getrunken hat, weiß daß es nix besseres auf der ganzen Welt gibt..... oh Pardon – es geht schon der Gaul mit mir durch ;-)

Wenn wir schon beim Entschuldigen sind: Auch für diese Präsentation möchte ich mich entschuldigen. Die ganze Seite entstand via “drag and drop”, da ich keinerlei Kenntnisse der HTML-Programmierung besitze. Ein Profi hätte das sicherlich alles so arrangiert, daß jeder Leser hinterher nur noch Trollinger getrunken hätte, und die Steillagen an der Rhone (und wo es diese außerhalb von Württemberg sonst noch gibt) innerhalb kürzester Zeit verwahrlost wären....

Sodele, genug der Vorrede – hier geht’s endlich los !

Hermitage – das war lange Zeit für mich der Inbegriff der Steillage. Die Mutter aller Steillagen sozusagen. Karg, heiß, steil, alte Reben, Trockenmauern – Herz was willst Du mehr. Immer habe ich darauf geschielt.

Aber da gab es noch mehr: Cote Rotie, Mosel (....). Alle sausteil.

Und ich mußte hier im Ländle leben. Jammer, heul.

Daß es am Neckar Steillagen gab, wußte ich schon. Aber richtig wahrgenommen habe ich das nie. Erst in letzter Zeit habe ich geschnallt, was für ein geniales Kleinod (na, so klein ist es ja gar nicht) hier in unmittelbarer Nähe steht.

Und so verging kein Tag, an dem ich nicht unterhalb der Steillagen um Besigheim, Hessigheim und Mundeslheim an der Uferstraße des Neckars entlangfuhr, und zum Hindernis für entgegenkommende Fahrzeuge wurde: Den Blick immer steil nach oben gerichtet, nicht achtend auf den Gegenverkehr. Und die Fische im Neckar wären von einem Besuch meinerseits ebensowenig  angetan gewesen.

Und in dieser Zeit wurde mir bewußt, daß sich die Schwaben keinesfalls hinter dem Hermitage-Berg verstecken brauchen.

Was dort am Neckar in den Berg reingemauert und gepflanzt wurde ist schlicht atemberaubend (was keinesfalls damit gleichzusetzen ist, daß der Württemberger Trollinger auch nur annhähernd die Klasse eines “La Chapelle” erreicht...)

Starten wir also mit einem Blick über Mundelsheim - via diesem Link:    NECKARSCHLEIFE

Der Erhalt der Trockenmauern ist natürlich eine heiden Arbeit. Mittlerweile gibt es zwar auch schon Fertig-Trockenmauern (Beton in Trockenmauer-Optik), aber das ist doch stillos ! Oder ?

Dazu vielleicht ein Zitat aus “Weinbau anno dazumal” von Theo Becker (ein interessantes Buch mit tollen alten Fotos. Es scheint mir aber die “gute alte Zeit” zu glorifizieren):

“Daher verunkrauten und versteppen viele ehemalige Weinbergterrassen, weil ihre Pflege unter den heutigen Verhältnissen nicht mehr möglich ist. – Es sei denn, die vielen Leute, die den Landschaftsschutz vertreten und möglichst jede Mauer heiligsprechen möchten, würden, statt zuviel zu reden, selbst Hand anlegen.” ;-)

 

Mauerbau1
Mauerbau2

Oder es geht einem so, wie in der Marbacher Zeitung am 13.10.03 zu lesen war:

MUNDELSHEIM. Erst durch eine schriftliche Beschwerde aus dem Landratsamt war einem Weinbergbesitzer aufgegangen, daß ihm seine Trockenmauer abhanden gekommen ist. Das Landratsamt hatte in dem Schreiben bemängelt, der Wengerter habe in seinem Weinberg die Trockenmauer widerrechtlich entfernt. Der Geschädigte stellte dann bei einer Überprüfung fest, daß ihm Unbekannte den Sommer über eine dreireihige Trockenmauer von zehn Meter Länge abgebaut und entwendet haben. Der entstandene Schaden wird auf etwa 2000 Euro geschätzt.

Kirche+Steine

Ob die Mauer wohl HIER zwischengelagert wurde ??

Doch zurück zu den Steillagen. Schaut euch einfach die nachfolgenden Bilder an.

Ingersheim
Schleife3

Blick auf die Ingersheimer Lagen.

Nochmals die Neckarschleife.

Schleife2
Schleife1
R-Berg2
R-Berg1
R-Berg3 Kirchheim

Anlauf der Gemmrigheimer Steillagen.

Besigheim2
Besigheim1

Steillagen bei Besigheim

Stäffele nuff, .......

Staeffele3
Kaktus
Staeffele2

....Stäffle na......

Staeffele1.pg

.....Stäffele nom ond rom.

Ooops - was macht denn DER da ?

Trotz der mühsamen Arbeit sind nur sehr Wenige Schrannen aufgelassen, und liegen brach. Wenn man eine Steillage haben möchte, steht man definitiv vor einem Problem.

Aber das ist ja auch OK. So ist für den Erhalt dieser Landschaft bestens gesorgt.

Trapez

Dieses kleine Trapez könnte mir durchaus gefallen....

Vielleicht noch was zum “Terroir” ? Der Boden unter den Reben besteht zum Großteil aus Muschelkalk. Das kann man gut auf dem nächsten Bild sehen:

Der Steinbruch wird von hinten in den Weinberg reingetrieben.

 

Steinbruch

Was ich persönlich sehr schade finde, ist, daß fast ausschließlich Trollinger in den Steillagen wächst. Diese bevorzugte Lage sollte doch zumindest teilweise für andere Rebsorten genutzt werden.

Naja, der Trolli verkauft sich halt im Ländle extreem gut.....

Was mir gut gefällt ist, wie die Reben bis mitten in den Ort hineinreichen:

Ort+Reben1

Zum Bleistift hier an der Ortseinfahrt....

Ort+Reben2

.... oder mitten im Wohngebiet !

Portugieser

Portugieser, Pflanzjahr zw. 1930 und 1935

Abseits der “großen” Lagen gibt es selbstverfreilich einige aufgelassene Parzellen. Der Großteil davon auch schon längst aus dem Rebenaufbauplan herausgefallen.

Terrasse
Terrasse+Baum

HIER kann man sich natürlich die Frage stellen, ob es überhaupt einen besseren Platz für diesen Baum geben kann....

 

Was mir besonders viel Freude macht, ist das Aufspüren möglichst alter Weinberge/Rebstöcke.

Gleich bei uns hier ums Eck in Kurzach (liegt ca. 500m ü.NN) gab es bis ca. 1955 auch noch Weinberge (ca. 1ha). Heute ist das alles Wiese und Wald.

Sobald man aber in den Wald hineinmarschiert – was sieht man zw. den 30-50 Jahre alten Bäumen ? Trockenmauern und Weinbergsstäffela !! Mitten im finsteren Wald ! Faszinierend – finde ich !

Und meistens ist es so, daß man an den Randgebieten der ständig bewirtschafteten Flächen die “besonderen”  Rebstöcke findet.

AlterWengert1
AlterWengert2
Spätburgunder40

Wie wär´s mit über 40jährigem, gepfropften Spätburgunder ?

Wer lässt schon seine PFROPFreben über so eine lange Zeit im Weinberg ? Ich sage nicht, daß aus diesen Reben der weltbeste Spätburgunder gekeltert wird. Nee, nee. Es geht hier nur um das Besondere.

Riesling, Pflanzjahr 1950. Langweilig, oder ? Aber nicht in der alten Drei-Schenkel-Pfahlerziehung (uff schwäbisch: Pfôhlwengert)

3S-Pfahl1
3S-Pfahl2
3S-Pfahl3
3S-Pfahl4

Aus dem “Kopf” werden im Lauf der Jahre 3 Schenkel gezogen, an deren Ende die Fruchtrute sitzt, welche zu einem Kreis gebogen wird. Viel (Laub-)Arbeit und dabei ein schlechtes Blatt-Frucht-Verhältnis haben diese Erziehungsform aussterben lassen.

                                           Riesling von 1936 ? Hört sich schon besser an !

Leider hat der momentane Pächter die denkbar bescheidenste Form der Bodenbearbeitung gewählt:

36Riesling1
36Riesling2

Abspritzen des Bodenbewuchses mittels Herbiziden.

Das sieht nicht nur sch.... aus, sondern ist es auch. Das ist ein Sakrileg an einem solchen Weinberg. Ist meine persönliche Meinung, und ich will auch nicht über Arbeitszeitersparnis und Unschädlichkeit für Boden und Rebe diskutieren.

36Riesling3

Riesling wurzelecht, Pflanzjahr 1936.

Wer jetzt nicht in den Keller läuft, und nen guten Riesling aufmacht, dem kann ich auch nicht mehr helfen ;-)